Effekte der High-Intensity Lasertherapie als komplementäre Behandlungsform einer orthopädischen Rehabilitation beim nichtspezifischen chronischen Rückenschmerz.

Details

Projektnummer RFN19003
Projektbeginn 01.03.2022
Projektende 30.09.2023
Projektleitung Dr. Marc Schöttler; Dr. Claudia Pieper
Projektmitarbeiter Dr. Burkhard Fischer; Dr. Sarah Schröer
Einrichtung Lahntalklinik der DRV Rheinland; Institut für medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE), Universitätsklinikum Essen
Kontaktanschrift

Lahntalklinik der DRV Rheinland

Adolf-Bach-Promenade 11

56130 Bad Ems

02603 976-2600 (Dr. Schöttler)

19003@refonet.de

Förderer refonet
Registrierung DRKS00021534
Abstract Rückenschmerzen sind in Deutschland und vergleichbaren westlichen Industrienationen weit verbreitet. Die Lebenszeitprävalenz in der deutschen Erwachsenenpopulation beträgt 85,5%. Daher haben Rückenschmerzen im Gesundheitssystem eine herausragende medizinische sowie ökonomische Bedeutung und zählen mit zu den größten Gesundheitsproblemen in Deutschland. Sie sind ein häufiger Grund für die Inanspruchnahme des medizinischen Versorgungssystems, für Arbeitsunfähigkeit und Renten wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung. Der akute lumbale Rückenschmerz bezeichnet Schmerzepisoden, die erstmals oder nach mindestens sechs schmerzfreien Monaten auftreten und über einen Zeitraum von höchstens sechs Wochen andauern. Als chronisch bzw. chronisch rezidivierend werden Rückenschmerzen bezeichnet, die länger als drei Monate anhalten. Eine weitere Unterteilung betrifft die Kausalität: Bei spezifischen Rückenschmerzen besteht ein Nachweis pathoanatomischer Zusammenhänge einzeln oder kombiniert bei Kompression neuraler Strukturen, Entzündung von Gelenken und struktureller Instabilität einer oder mehrerer Bewegungssegmente mit entsprechender Symptomatik. Von nicht-spezifischen Rückenschmerzen spricht man, wenn mit einfachen klinischen Mitteln keine Ursache gefunden werden kann, welche die vorliegenden Beschwerden überzeugend erklären kann. Mit einem Verhältnis von über 4:1 ist der nicht-spezifische Rückenschmerz wesentlich häufiger als der spezifische. Bei der Mehrzahl akuter Rückenschmerzepisoden verbessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen. Je mehr Schmerzphasen, je länger die gesamte Krankheitsgeschichte und die Dauer der aktuellen Episode, umso eher ist jedoch mit einem weiter ungünstigen Verlauf zu rechnen. Die Prognose von Rückenschmerzen mit höherem Schweregrad ist zudem viel ungünstiger als diejenige bei leichtgradigen Rückenschmerzen. Daher kommt der umfassenden Behandlung des Rückenschmerzes, einschließlich rehabilitativer Maßnahmen, eine besondere Bedeutung zu. Mit zunehmender Häufigkeit werden auch komplementäre Behandlungsformen eingesetzt. Während die Akupunktur in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen übernommen wurde, spricht die Nationaler Versorgungsleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz für die meisten elektro-physikalischen Therapien aber weiterhin eine Negativempfehlung aus. Im Falle der Lasertherapie basiert die Entscheidung auf zwei älteren Veröffentlichungen. Eine Vielzahl von neueren, methodisch zunehmend hochwertigeren Studien demonstriert hingegen die Wirksamkeit der Lasertherapie bei der Behandlung von diversen muskulären Schmerzsyndromen wie Nacken- und LWS-Beschwerden, Tendinopathien und Epicondylopathien, sowie chronisch entzündlichen und degenerativen Gelenkerkrankungen. In den Studien zur Behandlung des nicht spezifischen chronischen Rückenschmerzes zeigt die Low-Level Lasertherapie (LLLT, Synonym Soft-Laser) positive Effekte auf eine Schmerzreduktion, weniger jedoch auf Bewegungsumfang und Funktion im Alltag. Andere Studien lassen jedoch vermuten, dass auch die lumbale Beweglichkeit und die Einschränkungen im Alltag mit einer Steigerung der Energiedosis günstig beeinflusst werden können. Diese Annahme wird bestätigt durch Untersuchungen zur High-Intensity Lasertherapie (HILT, Synonym: High Level Laser), welche durch die hohe Energie auch eine thermische Wirkung auf das bestrahlte Gewebe ausübt und somit eine größere Tiefenwirkung entfalten kann. Die positiven Effekte auf Rückenschmerz, Beweglichkeit und Funktion im Alltag konnten zudem über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten gehalten werden. Zudem bestehen Hinweise darauf, dass sich die Kombination aus Bewegungsübungen und HILT besonders günstig auf eine Schmerzreduktion und die Verbesserung der Alltagsfunktion bei Rückenbeschwerden auswirkt. Studien zur Anwendung der HILT bei Rückenschmerzen innerhalb einer stationären orthopädischen Rehabilitation liegen bisher nicht vor. Im Design einer randomisierten, kontrollierten, einfach verblindeten Interventionsstudie soll nun untersucht werden, ob die High-Intensity Lasertherapie eine über den Placeboeffekt hinausgehende zusätzliche Wirkung auf das Outcome einer stationären orthopädischen Rehabilitation beim nichtspezifischen chronischen Rückenschmerz ausübt. Primäre Zielgröße ist die Verbesserung der Schmerzsymptomatik, sekundäre Zielgrößen sind eine Erhöhung des Bewegungsumfangs und eine Besserung der Alltagsfunktion. Es wird erwartet, dass die Hight-Intensity Lasertherapie das Reha-Outcome bei nichtspezifischen chronischen Rückenschmerzen in einem bedeutsamen Umfang verbessert. Die positiven Effekte auf Schmerz und Beweglichkeit fördern die Rückkehr zu den Alltagsaktivitäten und können so einer weiteren Chronifizierung entgegenwirken. Bei einer positiven Ergebnislage wäre die High-Intensity Lasertherapie indikationsbezogen problemlos in die Routineversorgung einer orthopädischen Rehabilitation integrierbar.
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